Montag, 19. Januar 2026

Wilhelm Busch Spatzengedichte

Wir haben bei WikiSource neben den anderen Schriften über Spatzen nette Gedichte von Wilhelm Busch über Spatzen gefunden.

Wilhelm Busch (1832–1908)
deutscher Zeichner und Dichter
eigentlich: Heinrich Christian Wilhelm Busch

Die Gedenkstätten und Museen von Wilhelm Busch feiern das Erbe des berühmten deutschen Karikaturisten und Dichters, der vor allem für seine spitzzüngigen Verse und humorvollen Zeichnungen bekannt ist. Zu den wichtigsten Einrichtungen gehören das Wilhelm Busch Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover, das umfangreiche Sammlungen seiner Werke sowie von Karikaturen und Zeichnungen anderer Künstler ausstellt. Sein Geburtshaus in Wiedensahl und die Wilhelm-Busch-Mühle in Ebergötzen bieten Einblicke in seine Lebenswelt und Inspirationsquellen. Das Alte Pfarrhaus in Wiedensahl, heute ein Museum, illustriert zudem Buschs kreativen Prozess und seinen kulturellen Einfluss. Diese Orte sind nicht nur Museen, sondern lebendige Foren, die durch Ausstellungen, Bildungsprogramme und Veranstaltungen Buschs Vermächtnis ehren und seine Kunst einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Weiterlesen ▶▶▶
https://www.wilhelm-busch.de/
https://www.wilhelm-busch-seiten.de/
https://www.berliner-spatz.de/wilhelm_busch.php 

Wilhelm Busch Bronzetafel
By Johann Jaritz / CC BY-SA 4.0, CC BY-SA 4.0, Link

Zu guter Letzt
Sonst und jetzt


Wie standen ehedem die Sachen
So neckisch da in ihrem Raum;
Schwer war's, ein Bild davon zu machen,
Und selbst der Beste konnt es kaum.
Jetzt, ohne sich zu überhasten,
Stellt man die Guckmaschine fest
Und zieht die Bilder aus dem Kasten,
Wie junge Spatzen aus dem Nest.

Spatz und Schwalben

Es grünte allenthalben.
Der Frühling wurde wach.
Bald flogen auch die Schwalben
Hell zwitschernd um das Dach.

Sie sangen unermüdlich
Und bauten außerdem
Am Giebel, rund und niedlich
Ihr Nest aus feuchtem Lehm.

Und als sie eine Woche
Sich redlich abgequält,
Hat nur am Eingangsloche
Ein Stückchen noch gefehlt.

Da nahm der Spatz, der Schlingel,
Die Wohnung in Besitz.
Jetzt hängt ein Strohgeklüngel
Hervor aus ihrem Schlitz.

Nicht schön ist dies Gebahren
Und wenig ehrenwert
Von einem, der seit Jahren
Mit Menschen viel verkehrt.

Tausend Jahre.

Zumeist vergeht schon etwas eh'r
Die Haltbarkeit und die Kulör.

Ein Schmetterling voll Eleganz,
Genannt der Ritter Schwalbenschwanz,
Ein Exemplar von erster Güte,
Begrüßte jede Doldenblüte
Und holte hier und holte da
Sich Nektar und Ambrosia.

Mitunter macht er sich auch breit
In seiner ganzen Herrlichkeit
Und zeigt den Leuten seine Orden
Und ist mit Recht berühmt geworden.

Die jungen Mädchen fanden dies
Entzückend, goldig, reizend, süß.
Vergeblich schwenkten ihre Mützen
Die Knaben, um ihn zu besitzen.
Sogar der Spatz hat zugeschnappt
Und hätt' ihn um ein Haar gehabt.

Jetzt aber naht sich ein Student,
Der seine Winkelzüge kennt.
In einem Netz mit engen Maschen
Tät er den Flüchtigen erhaschen,
Und da derselbe ohne Tadel,
Spießt er ihn auf die heiße Nadel.

So kam er unter Glas und Rahmen
Mit Datum, Jahreszahl und Namen
Und bleibt berühmt und unvergessen,
Bis ihn zuletzt die Motten fressen.
Man möchte weinen, wenn man sieht,
Daß dies das Ende von dem Lied.

Der Spatz

Ich bin ein armer Schreiber nur,
Hab weder Haus noch Acker,
Doch freut mich jede Kreatur,
Sogar der Spatz, der Racker.
Er baut von Federn, Haar und Stroh
Sein Nest geschwind und flüchtig,
Er denkt, die Sache geht schon so,
Die Schönheit ist nicht wichtig.
Wenn man den Hühnern Futter streut,
Gleich mengt er sich dazwischen,
Um schlau und voller Rührigkeit
Sein Körnlein zu erwischen.
Maikäfer liebt er ungemein,
Er weiß sie zu behandeln;
Er hackt die Flügel, zwackt das Bein
Und knackt sie auf wie Mandeln.
Im Kirschenbaum frißt er verschmitzt
Das Fleisch der Beeren gerne;
Dann hat, wer diesen Baum besitzt,
Nachher die schönsten Kerne.
Es fällt ein Schuß. Der Spatz entfleucht
Und ordnet sein Gefieder.
Für heute bleibt er weg vielleicht,
Doch morgen kommt er wieder.
Und ist es Winterzeit und hat's
Geschneit auf alle Dächer,
Verhungern tut kein rechter Spatz,
Er kennt im Dach die Löcher.
Ich rief: Spatz komm, ich füttre dich!
Er faßt mich scharf ins Auge.
Er scheint zu glauben, daß auch ich
Im Grunde nicht viel tauge.

Kritik des Herzens – Abschnitt 5

Ihr kennt ihn doch schon manches jahr,
Wißt, was es für ein Vogel war;
Wie er in allen Gartenräumen
Herumgeflattert auf den Bäumen;

Wie er die hübschen roten Beeren,
Die andern Leuten zugehören,
Mit seinem Schnabel angepickt
Und sich ganz lasterhaft erquickt.

Nun hat sich dieser böse Näscher,
Gardinenschleicher, Mädchenhäscher,
Der manchen Biedermann gequält,
Am Ende selber noch vermählt.

Nun legt er seine Stirn in Falten,
Fängt eine Predigt an zu halten
Und möchte uns von Tugend schwatzen.

Ei, so ein alter Schlingel! Kaum
Hat er ’nen eignen Kirschenbaum,
So schimpft er auf die Spatzen.

Ich meine doch, so sprach er mal,
Die Welt ist recht pläsierlich.
Das dumme Geschwätz von Schmerz und Qual
Erscheint mir ganz ungebührlich.

Mit reinem, kindlichem Gemüt
Genieß ich, was mir beschieden,
Und durch mein ganzes Wesen zieht
Ein himmlischer Seelenfrieden. –

Kaum hat er diesen Spruch getan,
Aujau! so schreit er kläglich.
Der alte hohle Backenzahn
Wird wieder mal unerträglich.

Ferne berge seh ich glühen!
Unruhvoller Wandersinn!
Morgen will ich weiterziehen,
Weiß der Teufel, wohin!

Ja, ich will mich nur bereiten,
Will – was hält mich nur zurück?
Nichts wie dumme Kleinigkeiten!
Zum Exempel, dein Blick!

Ich wusste, sie ist in der küchen,
Ich bin ihr leise nachgeschlichen.
Ich wollt ihr ew’ge Treue schwören
Und fragen: Willst du mir gehören?
Auf einmal aber stutzte ich.
Sie kramte zwischen dem Gewürze;
Dann schneuzte sie und putzte sich
Die Nase mit der Schürze.


social icon social icon social icon social icon social icon social icon




Weitere Angebote finden Sie in unserem privaten Antiquariat und in unseren Annoncen


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Es schmerzt uns selbst sehr, aber wir mußten leider auf Grund häslicher Spam Kommentare eine Moderation der Kommentare einfügen. Nach der Moderation wird Ihr Kommentar veröffentlicht.
Danke für Ihr Verständnis!